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Nina’s Tagebuch

 

 

13. Mai 2024

 

Meine Handysucht – oder wie alles begann

 

Ich schmunzle über meinen ersten Titel. Er hat was so Ernsthaftes. Und Grössenwahnsinniges. Und auch ein bisschen was Dramatisches. 

 

Mein Herz klopft und meine Atmung geht schneller. Die Energie in mir strömt von unten nach oben. Viel Energie. Soeben habe ich die ganze Küche mit Suppe vollgespritzt. Bzw. nicht ich, unser neuer Vitamixer. Oder wie auch immer dieses Ding heisst. Er hat ein «Hot Soup» Programm, welches ich ausprobieren wollte. Nicht kochen, dachte ich, jey! Naja.. Dafür ist meine Küche jetzt wieder mal richtig sauber geputzt. Aber wisst ihr, warum ich das erzähle? Weil es mir so total EGAL war. Weil meine Inspiration während der ganzen Küche-Aufräum-und-Suppe-doch-noch-auf-dem-Herd-koch-Action keinen Millimeter kleiner wurde.

 

Und jetzt sitz ich hier. Hab den PC eingeschaltet, kein Internet angestellt, alle anderen Programme geschlossen und mich vor ein leeres Dokument gesetzt. Ich musste der Versuchung nicht mal widerstehen, meine Mails zu checken. 

Weil ich jetzt anfange zu schreiben. Und das bringt mich zum Lächeln. JA, ich schreibe. (Dieses Ja, hat sich von selbst in Grossbuchstaben verfasst;)). Weil ich es liebe zu schreiben. Und weil ich viele Dinge zu sagen habe.

 

Hier startet er: mein Dialog mit der Welt. 

 

Hallo Welt.

 

Vielleicht doch noch ein bisschen Kontext. 

Ich habe mich heute einem nahen Menschen von mir mit einem Thema in einer Session gezeigt, welches mich mit viel Scham erfüllt hat. Meine Handysucht. Dass ich sinnlos meine Nachrichten checke, schaue, wie viele Menschen auf meinen Webseiten waren. Ob ich neue Terminanfragen habe. Oder ob einfach jemand an mich denkt und sich bei mir meldet. Und das manchmal im Minutentakt. Auch jetzt, wenn ich das schreibe, spüre ich Scham. Und Trauer. 

 

Ja, wie langweilig es mir war. Wie viel lieber ich Input konsumierte, als Output zu erschaffen. Und oftmals war mir ja sogar langweilig, weil der Input echt nicht inspirierend war.

 

Es ist unglaublich, welche Energie das gerade in mir freisetzt, wenn ich beim Abwaschen den sich überschlagenden Sätze in meinem Kopf zuhören kann, die ich in die Welt rausgeben möchte. Anstatt mir zu überlegen, was ich denn jetzt hören kann, um mir die Zeit beim Aufräumen zu verkürzen.

 

Gut, das reicht mal für heute. Eigentlich wollte ich ja erst in den Ferien starten und die gehen erst in drei Tagen los.. Aber da wollte schon was raus. Und oh wie dankbar ich dafür bin, dass ich endlich meiner Stimme eine Stimme gebe. Trotz allen möglichen (auch) Stimmen, die mir weismachen möchten, wie unsinnig das doch alles ist. Nein, auch wenn ich es nur für mich alleine mache, so hat es sich schon gelohnt. Ein inspirierter Mensch mehr auf dieser Erde. Was könnte sie denn mehr gebrauchen als das?

 

Gute Nacht!

 

 

 

19. Mai 2024

 

Frieden unter Frauen

 

Soeben sass ich auf unserer luxuriösen, absolut fantastischen Ferienhausterrasse hier in Sardinien. Mit diesem atemberaubenden Blick aufs Meer. Der ganze Horizont ist nur Meer. Ich sass also da und habe meinen Tee getrunken und seit längerer Zeit wieder mal das Wyberfest-Lied gesungen. Niemand hat mir zugehört, doch ich habe mir meine Zuhörer vorgestellt und musste selbst über ihre Gerührtheit weinen. Das war ein schöner Moment. 

 

Dieses Lied ist letzten Sommer zu mir gekommen und handelt davon, wie wir Weiber unsere Waffen gegeneinander weglegen und uns gegenseitig schmücken. Mit unserer wahren Essenz, weil wir diese voneinander sehen und lieben. Und für und voneinander wollen, dass wir sie ganz zum Ausdruck bringen! Weil es keine Gefahr mehr darstellt, wenn eine andere Frau stark ist, wenn ich das auch bin. Und mir sicher sein kann, dass sie mich dahingehend unterstützen wird, meine Stärke immer mehr zu entfalten.

 

Weit weg sind wir davon heutzutage gesellschaftliche gesehen. Ich merke bei mir, dass Misstrauen anderen Frauen gegenüber schneller aus mir herauskommt als Vertrauen. Wie ich mit einem Messerstich rechne, nicht mit einer Blume. Oder einem selbstgebackenen Kuchen. Und dabei selbst mein Messer stets in Reichweite haben. Doch ich will dahin, dass wir uns vertrauen. Mit euch. Denn es macht keinen Spass ohne euch gross zu sein. Und ich bezweifle auch ernsthaft, ob das überhaupt möglich ist. Auf jeden Fall nicht ganz.

 

Beim Singen ist mir die Antwort auf eine Frage gekommen, die ich mir schon länger gestellt habe. Und zwar warum ich das Wyberfest überhaupt ins Leben rufe. Die Antwort ist simpel: Weil ich es liebe eine Frau zu sein. Weil ich es liebe, ein Weib zu sein. (Ja, ich bin da in mir drin noch nicht ganz durch mit der Frau/Weib Benennungsfrage… Aber dazu ein ander Mal.) 

Es ist so was Wunderbares, ein Weib zu sein. Wenn ich das schreibe, spüre ich sofort meine Brüste aufleuchten und meine Yoni hüpfen. Der ganze Bereich, von Yoni bis Herz und Brüsten dehnt sich aus und nimmt mehr Platz ein in der Welt. Ich denke, dass ich erst ein kleines bisschen davon kenne, was es wirklich heisst, eine Frau zu sein. Auch deshalb, weil die kollektive Reaktion auf ein Weib, das seine Weiblichkeit wirklich verkörpert oft folgende ist: 

Männer haben entweder Angst vor ihr oder probieren sie ins Bett zu kriegen. Frauen schliessen sie entweder aus und verurteilen sie oder himmeln sie an und probieren ihre beste Freundin zu werden. Und ganz ehrlich, das ist doch alles mega kacke. Die Welt wird erst ganz langsam bereit für echte Weiblichkeit. Genauso wie sie sich erst bereit macht für echte Männlichkeit. 

Doch ich will wissen, wie es ist, in einer Horde von Weibern Weib zu sein. Und einer Horde von Männern darin zu begegnen. Huiuiui!

Darum mache ich das Wyberfest.

 

Ich sehe dein schönstes Selbst in dir und begegne dir so. Ich zeige dir mein schönstes Selbst, weil ich weiss, dass du es schützen und lieben wirst.

 

Das ist die Welt, in der ich leben will.

 

 

 

19. Mai 2024, eine Stunde später

 

Esmeralda spricht

 

Vor ein paar Tagen, kurz nachdem ich entschieden hatte, mit diesem Tagebuch zu beginnen, habe ich eine Ahnenreise gemacht. Da hat sich ganz besonders eine meiner Ahninnen bemerkbar gemacht, die Esmeralda hiess. Sie hat im Mittelalter gelebt und ihre stärkste Qualität war es, dass sie ihre Wahrheit gesprochen hat, ganz egal, was die Konsequenzen davon waren oder sein könnten. 

Mich hat sie darum gebeten, ihr ab und zu in diesem Tagebuch eine Stimme zu geben, weil sie auch für die heutige Zeit noch einiges zu sagen hätte.

 

There we go, Esmeralda, the stage is yours!

 

Ich sehe euch. Auch wenn ich nicht mehr im Körper bin, bin ich doch sehr präsent mit eurer Welt. Ich beobachte euch und es berührt mich, was ihr macht. Und bei mir sind viele andere auch. Ihr seid nicht allein, auch wenn ihr das oft glauben mögt. Wir können euch unterstützen, wir können durch euch und für euch wirken, doch wir dürfen das nur, wenn ihr uns dazu einlädt und holt.

 

Nina: Warum wird mir übel, wenn ich diese Zeilen von dir schreibe?

 

Esmeralda: Es ist meine Wut, die du spürst. Ja, ich bin wütend. Wütend, weil ihr uns nicht hört. Wütend, weil es so lange gedauert hat, bis mich jemand erkannt hat und ich endlich wieder was tun kann. Denn es ist schon frustrierend, zu sehen, dass es an so vielen Ecken und Enden so viel Arbeit gäbe, und ihr uns das einfach nicht erlaubt. Nicht, aktiv, sondern wie gesagt, indem ihr uns keine Aufträge gebt.

 

Nina: Was wäre denn dein ganz persönlicher Lieblingsauftrag?

 

Esmeralda: Gehirne durchzublasen. Denn es hängen da einfach so viele Gedanken fest, ich sehe sie als dunkle Wölkchen, welche nicht zu euch gehören, welche ihr nicht selbst gedacht habt, welche euch nicht guttun. Sie halten euch von eurer Grösse ab. Es wäre einfach, sie nicht mehr zu haben und ich kann diese herauspusten. Ich kann das für dich und durch dich tun. Ich kann das für alle tun, die nach mich darum bitten. Also für alle, die das lesen. Bittet mich einfach darum und ich komme. Ihr könnt mich auch darum bitten, es für andere zu tun, wenn ihr sie um ihre Erlaubnis gefragt habt.

 

Esmeralda sagt gerade nichts mehr, doch ich spüre sie noch neben mir. Ich habe sie darum gebeten, mein Gehirn durchzublasen und habe gespürt, wie sies gemacht hat. Jetzt ist sie noch bei mir, hält von hinten meine Schultern und küsst sanft meinen Kopf. Sie füllt die Stellen, die sie geleert hat, wieder mit Liebe.

 

Und bei mir ist gerade Unsicherheit präsent. Ist das nicht komisch, solche Dinge zu schreiben? Sind sie abgespacet? Oder zu banal? Ich identifiziere mich mit dem, was sie sagt, anstatt einfach Kanal für sie zu sein. Ich bewerte sie aus den Augen, dessen, wie ich bewertet werden könnte. Aus dieser Angst heraus.

 

Bitte verzeih mir Esmeralda. Ich freue mich, dich immer mehr kennen zu lernen, dir vertrauen zu lernen und dir die Möglichkeit zu geben, in dieser Sphäre hier zu wirken.

 

Bassé. (Meine Art, abzuschliessen, wenn ich was wichtiges gesagt habe. Kommt aus der Bwiti Tradition in Afrika, Region Gabon, und bedeutet: «Das ist meine Wahrheit»).

 

 

 

29.Mai 2024

 

Wie wir beim Windeln wechseln das Skelett unserer Kinder formen

 

Natürlich nicht nur beim Windeln wechseln. Auch wenn wir sie beim Gehen an der Hand halten und zu sehr am Ärmchen hochziehen. Das Skelett vom Baby ist noch nicht fertig. Es ist noch sehr flexibel und formbar. Sonst kämen wir ja gar nicht durch den Geburtskanal durch. Heute habe ich in meinem aktuellen Lieblingsbuch gelesen, dass wir zu Deformierung der Hüften unserer Kinder beitragen, ja, diese hervorrufen können, wenn wir sie falsch bewegen beim Windeln wechseln. Wenn wir sie immer nur an einem – dem gleichen – Beinchen hochziehen und dann das ganze Körpergewicht in demjenigen Hüftgelenk hängt, dann kann sich das so festsetzen. Ein solcher Prozess geschieht natürlich über Monate oder Jahre hinweg, doch es ist absolut crazy, findet ihr nicht?

 

Dass wir die Psyche und das soziale und emotionale Verhalten der Kinder vollkommen formen und prägen darüber, wie wir mit ihnen in Beziehung sind in der ersten Lebenszeit, das ist mittlerweile weit im Bewusstsein verbreitet und völlig logisch für mich. Doch dass wir durch unbewusstes Verhalten ihnen gegenüber ihr Skelett fehlformen können, das hatte ich mir bisher noch nicht überlegt! Und doch macht es vollkommen Sinn. Und zeigt mir einmal mehr auf, wieviel Aufklärung und Bewusstwerdung es kollektiv noch braucht, bis wir unseren Kindern wirklich gerecht werden werden.

 

Ich gebe zu, ich bin noch etwas im Schock über diese Information. Sie bringt mir die Dimension der Verantwortung, die es mit sich bringt, Eltern zu werden und zu sein, nochmals näher ans Herz. Klar, wir prägen die Gesundheit unserer Kinder auch damit, dass wir bestimmen, wie sie sich ernähren, wie wir damit umgehen, wenn sie krank sind, welche Medikamente wir ihnen geben, etc. Doch dass wir sogar bewirken können, dass es Fehlbildungen in ihrem Skelett gibt, das ist schon nochmals eine Ebene tiefer. Die die gleiche ist, wie die psychische, soziale, emotionale und so. Einfach in einer anderen Manifestation, halt so richtig tief verkörpert. Und dadurch eine Schicht verfestigter.

 

Die letzten zwei Tage waren einige meiner besten Freunde hier bei uns zu Hause. Wir treffen uns mindestens einmal pro Monat und begleiten einander durchs Leben und durch unsere Lebensprozesse. Diesmal war die Konstellation so, dass wir nur Paare waren. Und heute die Themen, die uns in unseren Partnerschaften bewegen, in der Gruppe geteilt, angeschaut und teilweise geheilt haben.

Und natürlicherweise sind wir viel bei unseren ersten Lebensjahren und der Beziehung zu unseren Eltern gelandet. Es berührt mich so tief, dass ich keinen Menschen kenne, welchem in diesen Jahren wirklich und wahrhaftig begegnet wurde. Welcher gesehen wurde in seinen Bedürfnissen und welchem vermittelt wurde, dass es willkommen, gut, geliebt ist, so und genau so wie er ist. Nicht mal die kleinen Wesen, die erst vor Kurzem hier auf der Erde inkarniert sind.

Schon oft bin ich dieser Wahrheit begegnet, schon viele Tränen habe ich vergossen darüber im Mitgefühl mit einzelnen. Und heute ist diese traurige Realität wieder mal sehr nah bei mir. Und bringt Schwere in mein Herz.

 

Jetzt spüre ich die Stimmen, die sagen, dass ich nun die Wende finden muss in diesem Text, das ganze ins Positive wenden und Hoffnung verbreiten. Aber nein, was jetzt gerade wahr ist in mir, ist die Präsenz dieser Schwere und Traurigkeit. Ich weiss, dass es noch ganz viele andere Aspekte gibt, dass alles heilbar ist, ich weiss auch, dass das Paradies auf der Erde wieder Einzug hält. Auch dies trage ich als Wahrheiten in meinem Herzen.

 

Doch heute fühle ich die abgefuckte, absolut unmenschliche Realität, die immer noch so viel Macht und Verbreitung hat auf unserem Planeten.

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